Das EKG im Stäbchen…

Vorhofflimmern ist die häufigste therapiebedürftige Herzrhythmusstörung. In Deutschland leben rund zwei Millionen Menschen mit Vorhofflimmern. Betroffene Patienten haben ein bis zu fünfmal höheres Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Ist das Vorhofflimmern erkannt, kann dem Schlaganfall durch eine medikamentöse Behandlung sehr effektiv vorgebeugt werden. Bei einem Drittel der Patienten tritt Vorhofflimmern jedoch unbemerkt auf, weshalb die Herzrhythmusstörung häufig erst nach einem stattgehabten Schlaganfall diagnostiziert wird. In Aachen haben Wissenschaftler und Ärzte der Uniklinik RWTH Aachen daher gemeinsam mit dem Apothekerverband Aachen e. V. und unter der Schirmherrschaft von Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp die Initiative „Aachen gegen den Schlaganfall“ ins Leben gerufen, um herauszufinden, ob ein breites Screening älterer Patienten hilfreich ist, die Schlaganfallrate durch unentdecktes Vorhofflimmern zu reduzieren. Es ist bundesweit die erste Studie dieser Art.
„Vorhofflimmern ist ein Risikofaktor für einen Schlaganfall, aber es wird häufig zu spät entdeckt. Uns ist daher wichtig, unentdecktes Vorhofflimmern früh zu diagnostizieren und so Patienten vor einem Schlaganfall zu schützen. Das ist das Ziel unserer Initiative ‚Aachen gegen den Schlaganfall‘“, erklärt Univ.-Prof. Dr. med. Nikolaus Marx, Direktor der Klinik für Kardiologie, Pneumologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin (Medizinische Klinik I) an der Uniklinik RWTH Aachen. Das interdisziplinäre Studienteam besteht neben den Aachener Kardiologen vonseiten der Uniklinik RWTH Aachen aus Ärzten und Wissenschaftlern der Klinik für Neurologie und dem Lehrgebiet Allgemeinmedizin. Als Schirmherr für die Initiative fungiert Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp. „Wir freuen uns sehr, dass wir solch eine große Unterstützung der Stadt Aachen erhalten. Das zeigt einmal mehr, wie bedeutsam unsere Studie für die Städteregion ist“, so Prof. Marx. Für Oberbürgermeister Marcel Philipp eine Selbstverständlichkeit: „Ich habe die Schirmherrschaft über diese Aktion sehr gerne übernommen, weil das gesetzte Ziel so sinnvoll und vielversprechend ist. Wenn es dem Studienteam der Uniklinik RWTH Aachen gemeinsam mit dem Apothekerverband Aachen mit ihrem Forschungsvorhaben gelingt, mehr Menschen vor dem Schlaganfall zu bewahren, bin ich gerne dabei. Dann rufe ich mit großer Überzeugung die Bürgerinnen und Bürger ab 65 Jahren dazu auf, sich diesem kurzen und schmerzlosen Test zu unterziehen, um sich selbst zu schützen.“

Kooperation mit Apotheken in Aachen und der Städteregion

Neben der Stadt Aachen ist ebenfalls der Apothekerverband Aachen e. V. an dem Projekt beteiligt. Zahlreiche Apothekerinnen und Apotheker aus Aachen und der Städteregion sind im Rahmen der Studie erste Ansprechpartner für Interessierte und führen in rund 90 teilnehmenden Apotheken die Testung auf Vorhofflimmern durch. „Die öffentlichen Apotheken gewährleisten mit kompetenter Beratung die wohnortnahe Arzneimittelversorgung und leisten im Gegensatz zum Versandhandel auch regelmäßig Nacht- und Notdienste. Weil uns die Gesundheit der Bevölkerung am Herzen liegt, ist es selbstverständlich, dass wir auch bei dieser Präventionskampagne dabei sind“, so Apothekerin Gabriele Neumann, Vorsitzende des Apothekerverbandes Aachen. „Es ist toll, dass unser regionaler Großhändler

Otto Geilenkirchen die Apotheken bei dieser Aktion öffentlichkeitswirksam mit Radiowerbung unterstützt.“

Hinweis auf Vorhofflimmern in nur einer Minute

Im Rahmen der regional angelegten Studie soll mittels einer Pulsmessung durch einen EKG-Stab in den teilnehmenden Apotheken in Aachen und der Städteregion bei allen Personen im Alter ab 65 Jahren ein bislang nicht diagnostiziertes (asymptomatisches) Vorhofflimmern aufgedeckt werden. Großer Vorteil der Studie ist die sehr unkomplizierte Teilnahme für Interessierte. Die Testung auf Vorhofflimmern mittels EKG-Stab dauert lediglich eine Minute; die Teilnehmer müssen den Stab dabei nur ruhig in den Händen halten. Bei der geplanten Studie handelt es sich um eine vorausschauende offene Studie, um weitere Erkenntnisse über eine Erkrankung oder einer neuen Behandlungsmethode zu gewinnen. Ziel ist es, durch ein breites Screening in Apotheken herauszufinden, wie hoch die Häufigkeit von neu erkanntem Vorhofflimmern ist. Insgesamt sollen circa 90 Apotheken des Aachener Stadtgebiets rund 6.000 Probanden in diese Studie einschließen.

Teilnehmer gesucht

Personen ab 65 Jahren können sich vom 16. bis 28. Januar in 43 teilnehmenden Apotheken in Aachen und vom 13. bis 25. Februar in 45 Apotheken in der Städteregion testen lassen und damit einen Hinweis auf Vorhofflimmern erhalten.

Alle Informationen zum Studienablauf, Datenschutzfragen und häufig gestellte Fragen finden Interessierte auf der Website der Initiative: www.aachen-gegen-den-schlaganfall.de

Infoveranstaltung am 24. Januar

Am Dienstag, den 24.01.2017, findet um 18:00 Uhr im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Medizin im Dialog“ eine Informationsveranstaltung zum Thema im forum M der Mayerschen Buchhandlung statt.